Mykorrhiza-Pilze an den Wurzeln einer Pflanze – Wirkung und Anwendung im Vergleich

Mykorrhiza: Wirkung, Anwendung und Produkte im Vergleich

28. August 2026Grow Rhein

Kurz gesagt: Das Wichtigste zu Mykorrhiza

  • Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln – der Pilz liefert Wasser und Nährstoffe, die Pflanze liefert Zucker
  • Das Pilzgeflecht kann die effektive Wurzeloberfläche um ein Mehrfaches vergrößern – BioTabs gibt für Mycotrex bis zu 700 % an
  • Der beste Zeitpunkt: direkt beim Einpflanzen oder Umtopfen, mit direktem Wurzelkontakt
  • Erste messbare Effekte zeigen sich meist nach 3 bis 6 Wochen, sobald das Myzel etabliert ist
  • Gute Produkte erkennst du an deklarierten Arten und Sporen- bzw. Propagulenzahlen – genau da unterscheiden sich die Hersteller enorm

Mykorrhiza gehört zu den Themen, bei denen im Netz viel behauptet und wenig belegt wird. In diesem Ratgeber findest du das, was die meisten Texte weglassen: die konkreten Zahlen. Welche Pilzarten in welchem Produkt stecken, wie viele Sporen pro Gramm enthalten sind, wie du dosierst – und warum sich die Herstellerangaben so schwer vergleichen lassen. Alle Produktdaten stammen aus Herstellerdatenblättern und Etiketten.

Was ist Mykorrhiza?

Mykorrhiza (aus dem Griechischen: mýkēs = Pilz, rhiza = Wurzel) bezeichnet die Lebensgemeinschaft zwischen bestimmten Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln. Der Pilz besiedelt die Wurzel und wächst mit seinen feinen Pilzfäden (Hyphen) weit in den Boden hinein – dorthin, wo die Wurzel selbst nie hinkommen würde. Über dieses Netzwerk, das Myzel, transportiert er Wasser, Phosphor, Stickstoff und Spurenelemente zur Pflanze. Im Gegenzug erhält er von der Pflanze Zucker aus der Photosynthese.

Rund 80 bis 90 Prozent aller Landpflanzen gehen solche Symbiosen ein – vom Gemüsebeet über Obstbäume bis zu deinen Pflanzen in der Growbox. Wichtige Ausnahmen sind Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl und Radieschen sowie Gänsefußgewächse wie Spinat und Rote Bete: Sie bilden keine Mykorrhiza, dort ist eine Beimpfung wirkungslos.

Wie wirkt Mykorrhiza im Boden?

Die Wirkung beruht auf drei Mechanismen, die sich messen lassen:

Vergrößerte Aufnahmefläche. Die Pilzhyphen sind deutlich feiner als Wurzelhaare und erschließen Bodenporen, die für die Wurzel unerreichbar sind. BioTabs beziffert die Steigerung der Wurzelkapazität durch Mycotrex mit bis zu 700 Prozent – also einer Verachtfachung der effektiven Aufnahmefläche.

Aufschluss gebundener Nährstoffe. Vor allem Phosphor liegt im Boden oft in Formen vor, die Pflanzen nicht direkt aufnehmen können. Mykorrhizapilze geben Enzyme und Säuren ab, die diese Verbindungen aufschließen. Deshalb gilt umgekehrt: Sehr hohe Phosphorgaben hemmen die Besiedlung – die Pflanze hat dann keinen Anreiz, den Pilz zu versorgen. Wer mineralisch stark düngt, bekommt weniger Mykorrhiza-Effekt.

Schutz und Bodenstruktur. Das Myzel bildet eine physische Barriere um die Wurzel und konkurriert mit Schadpilzen um Platz und Nahrung. Gleichzeitig verklebt es Bodenpartikel zu stabilen Krümeln – der Boden speichert mehr Wasser und bleibt locker.

Endomykorrhiza oder Ektomykorrhiza – was ist der Unterschied?

Unterschied Endomykorrhiza und Ektomykorrhiza: Pilz in den Wurzelzellen vs. Pilzmantel um die Wurzelspitze
Links: Endomykorrhiza wächst in die Wurzelzellen. Rechts: Ektomykorrhiza umhüllt die Wurzelspitze von außen.

Endomykorrhiza (auch arbuskuläre Mykorrhiza) dringt in die Wurzelzellen ein und bildet dort baumartige Strukturen für den Nährstoffaustausch. Sie ist der Partner fast aller krautigen Pflanzen – Gemüse, Kräuter, Stauden und auch deiner Pflanzen im Zelt. Die wichtigste Gattung heißt Glomus; Arten wie Glomus intraradices und Glomus mosseae findest du in fast jedem Produkt.

Ektomykorrhiza umhüllt die Wurzelspitzen von außen mit einem dichten Pilzmantel, ohne in die Zellen einzudringen. Ihre Partner sind vor allem Bäume – Kiefern, Eichen, Buchen. Typische Gattungen sind Pisolithus, Rhizopogon und Scleroderma.

Was das für deinen Einkauf bedeutet: Für Growbox, Gemüse und Kräuter ist die Endomykorrhiza der wirksame Teil eines Produkts. Ektomykorrhiza-Anteile schaden nicht, bringen dort aber auch nichts – sie finden schlicht keinen passenden Partner. Ein Produkt mit hoher Gesamtzahl kann also weniger relevanten Wirkstoff enthalten als eines mit niedrigerer Zahl, wenn ein Großteil davon Ektomykorrhiza ist. Genau darauf schauen wir gleich in der Tabelle.

Wie lange dauert es, bis Mykorrhiza wirkt?

Mykorrhiza ist kein Dünger mit Sofortwirkung, sondern ein biologischer Prozess. Bei direktem Wurzelkontakt keimen die Sporen und beginnen innerhalb der ersten ein bis zwei Wochen mit der Besiedlung. Ein etabliertes, arbeitsfähiges Myzel braucht länger: Messbare Unterschiede bei Wuchs und Vitalität zeigen sich meist nach drei bis sechs Wochen.

Daraus folgt der wichtigste Anwendungsgrundsatz: so früh wie möglich beimpfen. Wer Mykorrhiza erst in der Blüte zugibt, verschenkt die Wirkung – das Myzel wird erst fertig, wenn der Durchgang schon fast vorbei ist. Ideal ist die Anwendung bei der Anzucht oder spätestens beim Umtopfen, damit der Pilz die gesamte Wachstumsphase Zeit hat. Eine einmalige Anwendung mit gutem Wurzelkontakt reicht bei Pulver- und Granulatprodukten aus; flüssige Produkte wie Orca sind für wiederholte Gaben übers Gießwasser ausgelegt.

Woran erkennst du gute Mykorrhiza-Produkte?

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen – und zwar an der Verpackung, nicht am Werbetext. Drei Kriterien:

1. Sind die Arten einzeln deklariert? Seriöse Deklaration nennt jede enthaltene Pilzart beim lateinischen Namen. Steht nur "Mischung verschiedener Mykorrhizae" auf der Packung, kannst du weder den Endo-Anteil noch die Eignung für deine Pflanzen beurteilen.

2. Ist die Konzentration angegeben – und in welcher Einheit? Hier herrscht das größte Durcheinander im Markt: Hersteller zählen Sporen oder Propagulen (vermehrungsfähige Einheiten – neben Sporen auch Hyphenstücke und besiedelte Wurzelfragmente), und sie rechnen pro Gramm (Pulver) oder pro Milliliter (Flüssigprodukte). Eine Propagule ist nicht dasselbe wie eine Spore, und ein Gramm nicht dasselbe wie ein Milliliter – die Zahlen verschiedener Produkte lassen sich deshalb nicht direkt vergleichen. Wichtig ist, dass überhaupt eine nachprüfbare Zahl dasteht.

3. Passt die Form zu deinem System? Pulver und Granulat gehören mit direktem Wurzelkontakt ins Pflanzloch – ideal für Erde und Kokos. Flüssigprodukte lassen sich übers Gießwasser und in Hydrosystemen ausbringen, wo Pulver die Tropfer verstopfen würde.

Mykorrhiza-Produkte im Vergleich: alle Zahlen aus Datenblatt und Etikett

Produkt Pilzarten Konzentration lt. Hersteller Dosierung
BioTabs Mycotrex (Pulver) 9 Endo-Arten (u. a. Glomus intraradices, mosseae, etunicatum), dazu Rhizobakterien, Algenmehl, Huminsäuren 88 Sporen/g 5 g pro Pflanze: 2 g an die Wurzeln, 3 g in die Erde
Great White Premium (Pulver) 16 Arten: 9 Endo + 7 Ekto, dazu Bakterienstämme und 2 Trichoderma-Arten Endo je Art 11–83 Prop./g; Ekto bis 187.875 Prop./g (Pisolithus tinctorius) Stecklinge: Pulver aufs Bewurzelungsgel · Erde/Kokos: 3,3 g auf 7,5 L · Hydro: 3,3 g auf 38 L, wöchentlich
Orca Liquid (flüssig) 4 Endo-Arten (Glomus intraradices, mosseae, etunicatum, aggregatum), dazu Bakterienstämme je Art 17 Prop./ml Umtopfen: 2 ml auf 4 L · laufend: 1 ml auf 4 L Erde bzw. 5 ml auf 38 L Hydro, wöchentlich
AN Piranha Liquid (flüssig) 3 Endo (Glomus) + 3 Ekto (Rhizopogon), dazu 3 Trichoderma-Arten und 2 Pseudomonas-Bakterien Endo je 78 Prop./ml; Ekto 116–127 Prop./ml; Trichoderma harzianum 50 Mio. KBE/ml 2 ml/L in den ersten 2 Wachstums- und ersten 2 Blütewochen
Aptus Mycor Mix (Pulver) "Mischung verschiedenartiger Mykorrhizae" – Arten nicht einzeln deklariert keine Angabe auf der Verpackung 1 g pro Pflanze einmalig ins Pflanzloch (100 g = 100 Pflanzen)

So liest du die Tabelle richtig: Die Zahlen stehen in unterschiedlichen Einheiten und sind bewusst nicht in eine "Rangliste" umgerechnet – Sporen, Propagulen, Gramm und Milliliter sind nicht gleichzusetzen. Was du aber direkt ablesen kannst: Bei Great White stammt die spektakulär hohe Zahl fast vollständig vom Ektomykorrhiza-Pilz Pisolithus tinctorius – für Growbox-Pflanzen zählt der Endo-Anteil von in Summe rund 387 Propagulen pro Gramm. Mycotrex setzt komplett auf Endomykorrhiza. Und Piranha ist als einziges Produkt eine Kombination aus Mykorrhiza und hochdosiertem Trichoderma.

Zwei Ergänzungen aus dem Sortiment gehören ins Bild, sind aber keine klassischen Impfmittel: AN Tarantula Liquid enthält keine Mykorrhiza, sondern ausschließlich nützliche Bakterien (laut Hersteller 10 Mio. KBE/g, u. a. Bacillus- und Paenibacillus-Stämme, Dosierung 2 ml/L) – es ist der Bakterien-Partner, den Advanced Nutrients zur Kombination mit Piranha vorsieht. Und der Ugro Coco Brick Rhiza ist ein Kokossubstrat, dem laut Hersteller Mykorrhiza bereits beigemischt ist – die bequemste Variante, wenn du ohnehin frisch aufsetzt.

Anwendung: So bringst du Mykorrhiza richtig aus

Der eine Grundsatz über allem: direkter Wurzelkontakt. Sporen keimen nur, wenn eine Wurzel in Reichweite ist. Pulver auf die Erdoberfläche zu streuen bringt fast nichts.

Beim Einpflanzen und Umtopfen gibst du Pulver oder Granulat direkt ins Pflanzloch bzw. an den Wurzelballen – bei Mycotrex sind das 2 g an die Wurzeln plus 3 g in die Erde, bei Aptus 1 g ins Pflanzloch. Bei Stecklingen tauchst du den Steckling nach dem Bewurzelungsgel direkt ins Pulver (Great White). In Hydro- und Tropfsystemen nimmst du flüssige Produkte wie Orca oder Piranha übers Reservoir – Pulver würde Tropfer verstopfen.

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Chlorhaltiges Leitungswasser und Desinfektionsmittel töten die Organismen ab. Wenn dein Leitungswasser stark gechlort ist, lass es vor dem Anmischen 24 Stunden abstehen. Und Systemreiniger auf Basis hypochloriger Säure wie Athena Cleanse sind mit lebender Mikrobiologie grundsätzlich unvereinbar – die desinfizieren auch deine nützlichen Pilze. Entscheide dich pro Durchgang für eine Linie: steril-mineralisch oder biologisch belebt.

Wann Mykorrhiza wenig bringt

Ehrlichkeit gehört dazu – in drei Situationen kannst du dir das Geld sparen: bei Kreuzblütlern und Gänsefußgewächsen (keine Symbiosepartner), in steril geführten Mineralsystemen mit regelmäßiger Desinfektion, und bei sehr hoher Phosphordüngung, die die Besiedlung unterdrückt. In lebendig geführter Erde – etwa mit BioTabs, Komposttees oder Living-Soil-Ansätzen – spielt Mykorrhiza dagegen ihre volle Stärke aus.

Häufige Fragen zu Mykorrhiza

Was ist Mykorrhiza einfach erklärt?
Eine Partnerschaft zwischen Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln: Der Pilz erweitert das Wurzelsystem um sein feines Geflecht und liefert Wasser und Nährstoffe, die Pflanze bezahlt mit Zucker aus der Photosynthese. Rund 80 bis 90 Prozent aller Landpflanzen leben so.

Wie lange dauert es, bis Mykorrhiza wirkt?
Die Besiedlung beginnt bei Wurzelkontakt innerhalb von ein bis zwei Wochen, messbare Effekte bei Wuchs und Vitalität zeigen sich meist nach drei bis sechs Wochen. Deshalb so früh wie möglich anwenden – am besten beim Einpflanzen oder Umtopfen.

Was ist der Unterschied zwischen Endo- und Ektomykorrhiza?
Endomykorrhiza dringt in die Wurzelzellen ein und ist der Partner fast aller krautigen Pflanzen – für Growbox, Gemüse und Kräuter zählt dieser Anteil. Ektomykorrhiza umhüllt Wurzeln von außen und arbeitet vor allem mit Bäumen zusammen.

Was bedeuten Sporen und Propagulen pro Gramm?
Beides sind Konzentrationsangaben. Sporen sind die Dauerformen des Pilzes; Propagulen umfassen zusätzlich Hyphenstücke und besiedelte Wurzelfragmente, die ebenfalls auskeimen können. Die Werte verschiedener Hersteller sind wegen unterschiedlicher Einheiten und Messmethoden nicht direkt vergleichbar – wichtig ist, dass überhaupt eine Zahl deklariert ist.

Kann ich Mykorrhiza mit mineralischem Dünger kombinieren?
Grundsätzlich ja, aber sehr hohe Phosphorgaben hemmen die Besiedlung, und chlor- oder säurebasierte Systemreiniger töten die Pilze ab. Am besten funktioniert Mykorrhiza in organisch oder gemäßigt mineralisch geführten Systemen.

Ist Tarantula ein Mykorrhiza-Produkt?
Nein. Advanced Nutrients Tarantula enthält ausschließlich nützliche Bakterien (10 Mio. KBE/g) und keine Pilze. Das Mykorrhiza-Produkt der Marke ist Piranha; beide sind zur Kombination gedacht.

Reicht eine einmalige Anwendung?
Bei Pulver und Granulat mit gutem Wurzelkontakt ja – das Myzel etabliert sich und wächst mit der Pflanze mit. Flüssigprodukte wie Orca sind für wiederholte wöchentliche Gaben ausgelegt, weil im Gießwasser weniger Propagulen direkt an der Wurzel ankommen.

Für welche Pflanzen ist Mykorrhiza nicht geeignet?
Kreuzblütler wie Brokkoli, Blumenkohl und Radieschen sowie Gänsefußgewächse wie Spinat und Rote Bete bilden keine Mykorrhiza-Symbiose. Bei fast allen anderen Garten-, Balkon- und Growbox-Pflanzen funktioniert sie.

Alle Produktangaben stammen aus Herstellerdatenblättern und Verpackungsetiketten (Stand: August 2026). Beratung zu Mykorrhiza und Bodenbiologie bekommst du bei uns im Growshop in Köln-Porz oder telefonisch – wir growen selbst.

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