Kurzfassung: Braune, rostartige Flecken an jungen Blättern deuten auf Calciummangel, gelbe Aufhellungen zwischen den Blattadern an alten Blättern auf Magnesiummangel. Ob du CalMag brauchst, entscheidet zuerst dein Wasser: Hartes Leitungswasser (wie in Köln) bringt meist genug Calcium und Magnesium mit – dann liegt das Problem fast immer beim pH-Wert, nicht am Dünger. Bei weichem oder Osmosewasser gehört CalMag dagegen fest in den Plan: als erstes Produkt ins Gießwasser, vor allen anderen Düngern. Die Dosierungen beider großer Hersteller und der Link zu unserem Rechner stehen unten.
Was ist CalMag – und warum reden unter LED plötzlich alle davon?
CalMag ist die Kurzform für Calcium (Ca) und Magnesium (Mg) – zwei Nährstoffe, die in klassischen NPK-Grunddüngern nur am Rande vorkommen, weil sie normalerweise aus dem Leitungswasser und dem Substrat kommen. Calcium baut Zellwände und stabilisiert das Gewebe, Magnesium sitzt im Zentrum jedes Chlorophyll-Moleküls – ohne Mg keine Photosynthese. Beide hängen eng zusammen, deshalb werden sie in einem Produkt kombiniert.
Dass CalMag-Mangel heute so häufig ist, hat viel mit moderner Beleuchtung zu tun: LEDs strahlen kaum Infrarot ab, die Blätter bleiben kühler als unter Natriumdampflampen, die Pflanze verdunstet weniger Wasser – und mit dem Wasserstrom kommen auch weniger Calcium und Magnesium in den Pflanzensaft, selbst wenn im Substrat genug vorhanden wäre. Wer von NDL auf LED umsteigt und den Düngeplan unverändert weiterfährt, sieht deshalb oft zum ersten Mal braune Flecken.
Brauchst du überhaupt CalMag? Erst die drei Faktoren prüfen
Eine pauschale CalMag-Dosis gibt es nicht – die richtige Antwort hängt von drei Dingen ab, und in dieser Reihenfolge solltest du sie prüfen:
1. Dein Wasser. Wasserhärte ist nichts anderes als gelöstes Calcium und Magnesium. Hartes Leitungswasser (EC ab etwa 0,4–0,5 mS/cm, wie im Kölner Raum) bringt bereits reichlich von beidem mit – hier ist zusätzliches CalMag meist überflüssig und kann sogar überdüngen. Weiches Leitungswasser, Regenwasser und vor allem Osmosewasser enthalten dagegen fast nichts: Dort ist CalMag kein „Zusatz“, sondern Pflicht. Die Härte verrät dir dein Wasserversorger, oder du misst den EC deines Leitungswassers mit einem EC-Messgerät.
2. Dein Substrat. Kokos bindet Calcium und Magnesium an seine Fasern – deshalb braucht Coco fast immer CalMag, auch bei mittlerem Wasser. Frische, hochwertige Erde ist dagegen gekalkt und gepuffert und trägt eine Weile von selbst. In Hydrosystemen bestimmt allein dein Wasser plus Dünger, was ankommt.
3. Dein Grunddünger. Manche Linien enthalten bereits nennenswert Ca/Mg (etwa Hydro-Dünger für weiches Wasser), andere fast keins. Ein Blick aufs Etikett verhindert Doppelgaben.
Mangel erkennen: Calcium, Magnesium, Stickstoff oder doch der pH?
Der wichtigste Diagnose-Trick ist die Frage, wo die Symptome sitzen: Calcium ist in der Pflanze unbeweglich (immobil) – ein Mangel zeigt sich zuerst am neuen Wuchs oben. Magnesium ist mobil – die Pflanze zieht es aus den alten Blättern unten ab und pumpt es in die jungen. Daran erkennst du auch, warum ein Magnesiummangel oft spät auffällt: Die Triebspitzen sehen lange gut aus.
| Calciummangel | Magnesiummangel | Stickstoffmangel | pH-Lockout | |
|---|---|---|---|---|
| Wo zuerst? | junge Blätter, Triebspitzen | alte Blätter unten | alte Blätter unten | überall verteilt |
| Typisches Bild | rostbraune Flecken, verkrümmte oder verdrehte Spitzen, brüchige Stängel | gelbe Aufhellung zwischen den Adern (Adern bleiben grün), später braune Flecken, Blätter fallen ab | gleichmäßiges Vergilben ganzer Blätter von unten nach oben, ohne Flecken | Symptom-Mix mehrerer Nährstoffe, verbrannte Spitzen, stockendes Wachstum |
| Tempo | erst kleine hellbraune Punkte, die über 1–2 Wochen wachsen | schleichend, fällt oft erst spät auf | langsam, gleichmäßig | oft schnell nach pH-Fehler |
| Erste Maßnahme | Wasserwerte prüfen, dann CalMag nach Tabelle | Wasserwerte prüfen, dann CalMag nach Tabelle | Grunddünger (z. B. Wuchsdünger) erhöhen | pH messen und korrigieren – bevor du mehr düngst |
Der pH-Lockout ist die häufigste Verwechslung: Liegt der pH dauerhaft außerhalb von etwa 6,0–6,5 (Erde) bzw. 5,5–6,2 (Hydro/Coco), kann die Pflanze vorhandenes Calcium und Magnesium schlicht nicht aufnehmen – dann hilft auch kein Nachschütten. Erst pH prüfen, dann dosieren.
Calciummangel erkennen: junge Blätter zuerst
Weil Calcium in der Pflanze fest verbaut wird und nicht umverteilt werden kann, trifft ein Calciummangel immer den neuen Wuchs: Triebspitzen und junge Blätter wachsen verkrümmt, verdreht oder gestaucht, dazu kommen kleine rostbraune Flecken, die über ein bis zwei Wochen größer werden. Stängel und Gewebe wirken brüchig, weil Calcium der Zellwand-Baustoff ist. Typische Auslöser: weiches oder Osmosewasser, Kokos ohne CalMag-Beigabe – und sehr häufig ein pH-Wert außerhalb des Zielfensters.
Magnesiummangel erkennen: alte Blätter zuerst
Magnesium kann die Pflanze umlagern – bei Knappheit räumt sie es aus den alten, unteren Blättern ab und versorgt damit die jungen. Das Ergebnis ist die klassische Aufhellung zwischen den Blattadern (die Adern selbst bleiben grün), zuerst unten an der Pflanze, später mit braunen Flecken und Blattfall. Genau wegen dieser Umverteilung fällt ein Magnesiummangel oft erst spät auf – die Spitze sieht lange top aus, während unten schon abgeräumt wird. Fehlt sicher nur Magnesium (calciumreiches, hartes Wasser), reicht statt CalMag auch gezieltes Magnesium wie Bittersalz.
Wie viel CalMag? Rechne es mit deinem Wasser aus
Die richtige Menge hängt von deinem Wasser, dem Substrat und der Situation ab – dafür haben wir ein eigenes Werkzeug gebaut:
CalMag-Rechner mit Wasserwerte-Eingabe
Gib die Härte in °dH, Calcium/Magnesium in mg/L aus deiner Trinkwasseranalyse oder deinen EC-Messwert ein – der Rechner stuft dein Wasser nach den gesetzlichen Härteklassen ein und liefert die Dosierung nach den offiziellen Herstellerspannen von BioBizz und Canna. Und wenn du gar kein CalMag brauchst, sagt er dir auch das.
Die Dosierungen im Überblick: BioBizz CalMag & Canna CalMag Agent
| Produkt | Vorbeugend | Bei sichtbarem Mangel | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| BioBizz CalMag (100 % organisch) | Erde: 0,3–0,8 ml/L bei jedem Gießen Hydro/Coco: 0,5–1,0 ml/L |
Erde: 0,3–1,2 ml/L, 1× pro Woche Hydro/Coco: 0,5–1,4 ml/L – bis die Symptome weg sind, dann zurück zur Vorbeugung |
Etikett: 4,2 % CaO, 1,7 % MgO; passt in jedes Schema, auch markenfremd |
| Canna CalMag Agent (mineralisch) | 0,1–0,5 ml/L, bis das Wasser EC 0,4 zeigt – nur bei weichem/Osmosewasser, vor allen anderen Düngern | 1–2 ml/L | Dosierung nach Wasser, nicht nach Woche; steht deshalb in keiner Phasentabelle |
Herstellerangaben, Stand August 2026. Andere Marken wie Hesi, Plagron oder Advanced Nutrients arbeiten mineralisch und ähnlich wie der CalMag Agent – dosiere dort strikt nach Etikett; die Konzentrationen unterscheiden sich deutlich. Faustregel aus der Ladenberatung: Für Erde und Bio-Grows das organische BioBizz-Produkt, für Coco, Hydro und Osmosewasser die mineralische Schiene.
Die Reihenfolge-Regel: CalMag kommt immer zuerst
Beide Hersteller sind sich einig, und es ist der meistgemachte Anwendungsfehler: CalMag gehört als erstes Produkt ins Gießwasser – gründlich einrühren, dann Grunddünger und Zusätze, zuletzt den pH einstellen. Der Grund: CalMag bereitet das Wasser auf (beim Canna-Agent wörtlich: weiches Wasser auf EC 0,4 „aufhärten“), und die Basisdünger sind auf dieses aufbereitete Wasser gerechnet. Wer CalMag zum Schluss in die fertige Nährlösung kippt, riskiert Ausfällungen und falsche EC-Werte.
Häufige Fehler bei CalMag
Bei hartem Wasser „vorsorglich“ dosieren. Doppeltes Calcium und Magnesium blockiert andere Nährstoffe – Überdosierung erzeugt paradoxerweise fast dasselbe Blattbild wie ein Mangel.
Den pH ignorieren. In vielen Fällen ist „CalMag-Mangel“ in Wahrheit ein pH-Problem – die Nährstoffe sind da, aber gesperrt. Erst messen, dann dosieren.
CalMag als pH-Puffer missverstehen. Wer komplett auf Osmosewasser umstellt, verliert die Karbonathärte des Leitungswassers – und damit den natürlichen pH-Puffer im Substrat. CalMag ersetzt diesen Puffer nicht vollständig; bei reinen Osmose-Setups auf Erde gehört deshalb langfristig ein Blick auf die Aufkalkung dazu (Praxiserfahrung aus vielen Foren-Fällen).
In der Blüte aufs Blatt sprühen. Blattdüngung mit CalMag (Erfahrungswert: ~0,5 ml/L) funktioniert nur in der Wachstumsphase und bei ausgeschaltetem Licht – Feuchtigkeit auf Blüten ist eine Einladung für Schimmel.
Zu schnell zu viel. Immer an der unteren Herstellerspanne starten und über einige Gaben ans Pflanzenbild anpassen – organisches CalMag wirkt zudem zeitversetzt.
Häufige Fragen zu CalMag (FAQ)
Brauche ich CalMag bei hartem Leitungswasser?
Meist nein. Hartes Wasser (EC ab ca. 0,4–0,5) enthält bereits viel Calcium und Magnesium. Zeigt die Pflanze trotzdem Symptome, prüfe zuerst den pH-Wert – und denk an die Ausnahmen Kokos (bindet Ca/Mg) und sehr starke LED-Beleuchtung.
Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Calcium- und Magnesiummangel?
Am Ort der Symptome: Calciummangel trifft junge Blätter und Triebspitzen (rostbraune Flecken, verkrümmter Wuchs), weil Calcium immobil ist. Magnesiummangel zeigt sich an alten, unteren Blättern (gelbe Aufhellung zwischen grün bleibenden Adern), weil die Pflanze Magnesium in die jungen Blätter umlagert.
Soll ich CalMag von Anfang an geben oder erst bei Symptomen?
Bei weichem oder Osmosewasser von Anfang an in der Vorbeugungsdosis – der Mangel wäre sonst nur eine Frage der Zeit. Bei mittlerem bis hartem Wasser erst, wenn Wasserwerte und Pflanzenbild es hergeben.
Wie oft CalMag auf Kokos?
Auf Kokos gehört CalMag in der Regel dauerhaft in den Plan (BioBizz: 0,5–1,0 ml/L vorbeugend bei jedem Gießen), weil das Substrat Calcium und Magnesium bindet. Bei akutem Mangel 0,5–1,4 ml/L einmal wöchentlich, bis das Blattbild sich beruhigt.
BioBizz CalMag oder Canna CalMag Agent – welcher ist besser?
Keiner ist „besser“ – sie sind verschieden: BioBizz ist 100 % organisch und die erste Wahl für Bio-Grows auf Erde. Der Canna CalMag Agent ist mineralisch, exakt über den EC steuerbar und die erste Wahl für Coco, Hydro und Osmose-Setups. Beide findest du bei uns: BioBizz Dünger und Canna Dünger.
Kann ich Bittersalz statt CalMag verwenden?
Bittersalz (Magnesiumsulfat) liefert nur Magnesium und Schwefel – kein Calcium. Es ist ein brauchbares Hausmittel, wenn sicher nur Magnesium fehlt (Chlorose an alten Blättern bei calciumreichem, hartem Wasser). Bei einem echten CalMag-Mangel oder weichem Wasser greift es zu kurz.
Wie erkenne ich eine CalMag-Überdüngung?
Tückisch: Sie sieht einem Mangel ähnlich – fleckige Blätter, gesperrte Nährstoffe, stockendes Wachstum, dazu oft ein deutlich erhöhter EC. Wenn du hart dosierst und es schlimmer wird: Dosis halbieren statt erhöhen, pH und EC messen, im Zweifel mit klarem Wasser spülen.
Was ist in BioBizz CalMag drin?
Laut Etikett 4,2 % Calciumoxid (CaO) und 1,7 % Magnesiumoxid (MgO) aus organischen Quellen – bewusst niedrig konzentriert, damit das Produkt fehlerverzeihend bleibt und ins Bodenleben passt.
Warum habe ich unter LED plötzlich CalMag-Probleme, unter NDL nie?
LEDs erzeugen kaum Strahlungswärme: kühlere Blätter, weniger Verdunstung, weniger Nährstofftransport – Calcium und Magnesium reisen aber genau mit diesem Wasserstrom. Der klassische Fix: Düngeplan an die LED anpassen und bei weichem Wasser CalMag fest einplanen.
Wo finde ich die Dosierungen der kompletten Düngerlinien?
In unseren Ratgebern BioBizz Düngeschema erklärt und Canna Düngeschema als Tabelle – dort steht auch, wie CalMag in die Wochenpläne passt.
Unsicher, was deine Pflanzen wirklich haben? Komm mit einem Foto ins Ladenlokal nach Köln-Porz, Hauptstraße 370 (Tel. 02203 1837075) – wir schauen gemeinsam drauf, messen dein Leitungswasser durch und geben dir nur mit, was du wirklich brauchst. Oder bestell online: schneller, neutral verpackter Versand.
Quellen: Herstellerangaben BioBizz (CalMag-Produktdaten und Dosiertabellen, Stand 2025/2026) und Canna Deutschland (CalMag Agent); Symptomatik nach gängiger pflanzenbaulicher Einordnung mobiler/immobiler Nährstoffe. Erfahrungswerte aus der Ladenberatung sind als solche gekennzeichnet.