Kurz gesagt
Der VPD-Wert (Dampfdruckdefizit) beschreibt, wie stark die Luft der Pflanze Wasser entzieht. Er wird in Kilopascal (kPa) angegeben und ergibt sich aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammen.
| Sämlinge & Stecklinge | 0,4–0,8 kPa |
| Wachstumsphase | 0,8–1,2 kPa |
| Frühe Blüte | 1,0–1,4 kPa |
| Späte Blüte | 1,2–1,6 kPa |
Du misst 65 % Luftfeuchtigkeit und denkst, alles sei in Ordnung. Bei 22 °C stimmt das auch. Bei 30 °C ist derselbe Wert für deine Pflanze eine völlig andere Welt. Genau das ist der Grund, warum Temperatur und Luftfeuchtigkeit einzeln betrachtet fast nichts aussagen – und warum es den VPD-Wert gibt.
In diesem Ratgeber erfährst du, was VPD bedeutet, wie du die VPD-Tabelle liest, welche Werte in welcher Phase richtig sind – und vor allem: was du konkret tust, wenn dein Wert nicht stimmt.
Was ist VPD?
VPD steht für Vapour Pressure Deficit, auf Deutsch Dampfdruckdefizit. Vereinfacht gesagt beschreibt der Wert den Durst der Luft: die Differenz zwischen dem Wasserdampf, den die Luft bei der aktuellen Temperatur maximal aufnehmen könnte, und dem, was tatsächlich drin ist.

Illustration: Grow am Rhein
Je größer diese Differenz, desto stärker zieht die Luft Wasser aus dem Blatt. Und genau dieser Sog ist der Motor der Pflanze: Über die Spaltöffnungen (Stomata) gibt sie Wasserdampf ab – die Transpiration. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der Wasser und die darin gelösten Nährstoffe von der Wurzel bis in die Blattspitzen zieht.
Ohne Transpiration kein Nährstofftransport. Deshalb ist der VPD-Wert am Ende wichtiger als jede einzelne Klimazahl – er entscheidet, ob dein Dünger überhaupt in der Pflanze ankommt.
Ein Rechenbeispiel, das den Punkt klar macht
Bei 25 °C und 65 % relativer Luftfeuchtigkeit liegt der VPD bei rund 1,1 kPa – ein guter Wert für die Wachstumsphase.
Erhöhst du nur die Temperatur auf 30 °C und lässt die Luftfeuchtigkeit bei 65 %, springt der VPD auf etwa 1,5 kPa. Dein Hygrometer zeigt unverändert 65 % – die Belastung für die Pflanze ist aber um rund ein Drittel gestiegen. Wer nur auf die Luftfeuchtigkeit schaut, sieht diesen Sprung nicht.
Die VPD-Tabelle
Die Tabelle zeigt dir für jede Kombination aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit den zugehörigen VPD-Wert in kPa. Suche deine Temperatur in der linken Spalte, deine Luftfeuchtigkeit in der Kopfzeile – am Schnittpunkt steht dein Wert.
| °C / RLF | 40 % | 45 % | 50 % | 55 % | 60 % | 65 % | 70 % | 75 % | 80 % |
| 18 °C | 1,24 | 1,14 | 1,03 | 0,93 | 0,83 | 0,72 | 0,62 | 0,52 | 0,41 |
| 20 °C | 1,40 | 1,29 | 1,17 | 1,05 | 0,94 | 0,82 | 0,70 | 0,58 | 0,47 |
| 22 °C | 1,59 | 1,46 | 1,32 | 1,19 | 1,06 | 0,93 | 0,79 | 0,66 | 0,53 |
| 24 °C | 1,79 | 1,64 | 1,49 | 1,34 | 1,19 | 1,04 | 0,89 | 0,75 | 0,60 |
| 26 °C | 2,01 | 1,85 | 1,68 | 1,51 | 1,34 | 1,17 | 1,01 | 0,84 | 0,67 |
| 28 °C | 2,26 | 2,08 | 1,89 | 1,70 | 1,51 | 1,32 | 1,13 | 0,94 | 0,76 |
| 30 °C | 2,54 | 2,33 | 2,12 | 1,91 | 1,70 | 1,48 | 1,27 | 1,06 | 0,85 |
| 32 °C | 2,85 | 2,61 | 2,37 | 2,14 | 1,90 | 1,66 | 1,42 | 1,19 | 0,95 |
Werte in kPa, berechnet für Lufttemperatur nach der Magnus-Formel. Wie du daraus den genaueren Blattwert ableitest, steht im nächsten Abschnitt.
Welcher Wert ist wann richtig?
| Phase | Ziel-VPD | Warum |
| Sämlinge & Stecklinge | 0,4–0,8 kPa | kaum Wurzeln vorhanden – die Pflanze kann verlorenes Wasser nicht nachziehen |
| Vegetative Phase | 0,8–1,2 kPa | kräftige Transpiration treibt Nährstofftransport und Blattaufbau |
| Frühe Blüte | 1,0–1,4 kPa | Übergangsbereich, langsam steigern |
| Späte Blüte | 1,2–1,6 kPa | trockenere Luft beugt Schimmel in dichten Blütenständen vor |
Der Fehler, den fast alle machen: die Blatttemperatur
Die Tabelle oben rechnet mit der Lufttemperatur. Was die Spaltöffnungen aber tatsächlich erleben, ist die Temperatur des Blattes – und die liegt durch Verdunstungskälte in der Regel 1 bis 3 °C unter der Lufttemperatur.
Dieser Unterschied ist kein Detail: Er verschiebt den tatsächlichen VPD um etwa 0,25 bis 0,35 kPa. Das reicht aus, um eine Wachstumsphase falsch einzusortieren – du glaubst, bei 1,2 kPa zu fahren, und bist real bei 0,9.
Zwei praktische Konsequenzen:
- Immer auf Höhe der Blätter messen, nicht am Boden und nicht in der Ecke. Zwischen Zeltboden und Kronendach liegen oft mehrere Grad.
- Für genaue Arbeit die Blatttemperatur erfassen – mit einem Infrarot-Thermometer oder einem Sensor auf Baldachinhöhe. Wer das nicht hat, rechnet einfach 2 °C von der Lufttemperatur ab und liest die Tabelle mit diesem Wert.
Und ein zweiter: die Messgenauigkeit
Ein einfacher Sensor mit ±5 % Toleranz bei der Luftfeuchtigkeit erzeugt einen VPD-Fehler von rund ±0,15 kPa – bei Zielbereichen, die nur 0,4 kPa breit sind, ist das zu viel. Ein Gerät mit ±2 % liegt dagegen bei etwa ±0,06 kPa und damit im vertretbaren Rahmen. Wenn du ernsthaft nach VPD steuern willst, ist ein präzises Thermo-Hygrometer die Grundvoraussetzung. Passende Geräte findest du in unserer Klimasteuerung.
Dein VPD stimmt nicht – was jetzt?
An diesem Punkt hören die meisten Ratgeber auf. Dabei ist es die eigentliche Frage. Du hast genau zwei Stellschrauben: Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Diese Tabelle sagt dir, welche du drehen solltest.
| Problem | Was du beobachtest | Lösung |
| VPD zu hoch (Luft zu durstig) | eingerollte Blattränder, hängende Blätter trotz feuchtem Substrat, hoher Wasserverbrauch, verbrannt wirkende Spitzen | Luftfeuchtigkeit erhöhen oder Temperatur senken |
| VPD zu niedrig (Luft zu feucht) | schlaffe, dunkle Blätter, langsames Wachstum, Mangelerscheinungen trotz voller Düngung, Schimmelgefahr | Luftfeuchtigkeit senken oder Temperatur erhöhen |
Luftfeuchtigkeit erhöhen
- Ein Luftbefeuchter ist der direkteste Weg – idealerweise mit Hygrostat, damit er selbstständig regelt.
- Abluftleistung reduzieren: Wer permanent auf voller Stufe absaugt, zieht die Feuchtigkeit gleich mit heraus. Ein regelbarer Abluftventilator hilft hier mehr als jedes Zusatzgerät.
- Offene Wasserflächen im Zelt wirken unterstützend, sind aber langsam und schwer steuerbar.
Luftfeuchtigkeit senken
- Ein Luftentfeuchter ist besonders in der späten Blüte sinnvoll, wenn dichte Blütenstände schimmelanfällig werden.
- Abluftleistung erhöhen und für ausreichend Zuluft sorgen.
- Umluftventilatoren lösen die feuchte Luftschicht direkt am Blatt auf. Das senkt zwar nicht die gemessene Raumfeuchte, verbessert aber die tatsächliche Transpiration spürbar – ein oft unterschätzter Hebel.
Temperatur steuern
- Zu warm: Abluft erhöhen, Beleuchtung dimmen oder höher hängen, Lichtphase in die kühleren Nachtstunden legen. Details dazu findest du in unserer Lüftung & Klima.
- Zu kalt: Das ist im Zelt seltener, tritt aber in der Nachtphase oder in Kellerräumen auf. Wichtig, weil kalte Luft weniger Wasser hält – der VPD sinkt und die Pflanze stagniert.
Der wichtigste Grundsatz: Ändere immer nur eine Größe und beobachte 24 Stunden. Wer Temperatur und Luftfeuchtigkeit gleichzeitig verstellt, weiß hinterher nicht, was gewirkt hat.
VPD und andere Faktoren
Der VPD-Wert ist mächtig, aber er steht nicht allein. Drei Zusammenhänge solltest du kennen:
- Licht. Bei starker Beleuchtung steigt die Blatttemperatur, und die Pflanze verträgt einen höheren VPD, weil die Photosynthese entsprechend läuft. Bei schwachem Licht bringt aggressives Klima nichts – die Pflanze kann die Kapazität gar nicht nutzen.
- CO₂. Wer mit erhöhtem CO₂ arbeitet, fährt üblicherweise auch wärmer und mit etwas höherem VPD.
- Wurzelraum. Ein hoher VPD zieht viel Wasser – das funktioniert nur, wenn die Wurzeln nachliefern können. Bei kleinen Töpfen, geschädigten Wurzeln oder Kokos mit knapper Bewässerung stößt du schneller an Grenzen.
Häufige Fragen
Was bedeutet VPD?
VPD steht für Vapour Pressure Deficit, auf Deutsch Dampfdruckdefizit. Der Wert beschreibt in Kilopascal, wie stark die Luft der Pflanze Wasser entziehen kann – berechnet aus Temperatur und relativer Luftfeuchtigkeit zusammen.
Welcher VPD-Wert ist optimal?
Das hängt von der Wachstumsphase ab: 0,4–0,8 kPa für Sämlinge und Stecklinge, 0,8–1,2 kPa in der Wachstumsphase, 1,0–1,4 kPa in der frühen und 1,2–1,6 kPa in der späten Blüte. Sortenabhängige Abweichungen sind normal.
Wie berechne ich den VPD-Wert?
Über die Magnus-Formel: Zuerst wird der Sättigungsdampfdruck bei der jeweiligen Temperatur bestimmt, dann der tatsächliche Dampfdruck der Luft, indem man ihn mit der relativen Luftfeuchtigkeit multipliziert. Die Differenz ist der VPD in Kilopascal. In der Praxis liest du den Wert einfach aus der Tabelle oben ab.
Warum ist die Blatttemperatur wichtiger als die Lufttemperatur?
Weil die Spaltöffnungen im Blatt sitzen. Durch Verdunstungskälte sind Blätter meist 1 bis 3 °C kühler als die Umgebungsluft. Das verschiebt den realen VPD um etwa 0,25 bis 0,35 kPa gegenüber dem Tabellenwert. Wer keinen Blattsensor hat, rechnet 2 °C von der Lufttemperatur ab.
Woran erkenne ich, dass mein VPD zu hoch ist?
An eingerollten Blatträndern, hängenden Blättern trotz feuchtem Substrat und einem auffällig hohen Wasserverbrauch. Die Pflanze verliert mehr Wasser, als sie nachziehen kann, und schließt zum Schutz die Spaltöffnungen – der Nährstofftransport kommt zum Erliegen.
Brauche ich wirklich VPD, oder reichen Temperatur und Luftfeuchtigkeit?
Für einen soliden Anbau reichen vernünftige Einzelwerte durchaus. Der VPD-Wert wird dann interessant, wenn du das letzte Stück Leistung holen willst oder wenn du Symptome siehst, die sich mit Dünger und Substrat nicht erklären lassen. Sehr oft steckt dann ein Klimaproblem dahinter, das nur der VPD sichtbar macht.
Fragen zu deinem Klima? Wir sind in Köln für dich da
Du kommst mit deinen Werten nicht auf einen grünen Zweig oder überlegst, ob sich ein Be- oder Entfeuchter für deine Boxgröße lohnt? Komm in unseren Growshop in der Hauptstraße 370 in 51143 Köln-Porz oder ruf uns an unter 02203 1837075. Wir schauen uns dein Setup an und sagen dir, welche Stellschraube bei dir am meisten bringt.
Passende Technik findest du unter Lüftung & Klima, Luftbefeuchter, Luftentfeuchter und Ventilatoren.